U5 bis Schenefeld?

Nachdem im Frühherbst 2025 der überraschende Wechsel von der S6 (vormals S32) auf die U5 für den Schnellbahnanschluss von Lurup und dem Osdorfer Born vorgenommen wurde, blieb die Frage offen, ob die U5 bis in die Schleswig-Holsteinische Stadt Schenefeld weitergebaut werden würde.

Eine S-Bahn-Anbindung Schenefelds über die S6 (vormals S32) war im Landesverkehrsplan Schleswig-Holstein für die Jahre 2022 bis 2027 als Projekt 11 noch als offen beschrieben worden. Nach der Vorlage einer Machbarkeitsstudie im Sommer 2023 erfolgte zügig eine politische Absage aus Schleswig-Holstein: das Nutzen-Kosten-Verhältnis der S-Bahn-Verlängerung sei nicht ausreichend. Im Entwurf des neuen Landesverkehrsplans 2027-2031, der vom 3. Februar bis 17. März 2026 in das Beteiligungsverfahren mit den Trägern öffentlicher Belange gegeben wurde, taucht die S-Bahn-Anbindung Schenefelds nicht mehr auf.

Im Ausschuss für Wirtschaft, Regionalentwicklung und Verkehr des Kreistages Pinneberg wurde am 14.04.2026 überraschend eine Drucksache beraten: „Machbarkeitsuntersuchung einer möglichen U5-Verlängerung in den Kreis Pinneberg„. In der Sachverhaltsbeschreibung ist folgendes zu lesen:

Anfang dieses Jahres ist Staatsrat Martin Bill (Behörde für Verkehr und Mobilitätswende, Hamburg) an Staatssekretärin Susanne Henckel (Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus, Schleswig-Holstein) mit der Information herangetreten, dass Hamburg die bisherige S-Bahn-Planung zur Schienenanbindung des Osdorfer Borns durch eine U-Bahn-Planung ersetzt hat, da diese schneller und wirtschaftlicher realisierbar sei. Die mögliche Verlängerung der bisherigen S-Bahn-Planung bis nach Schenefeld/Kreis Pinneberg wurde in den Landesweiten Nahverkehrsplan (LNVP) aufgenommen und hat insofern eine Schienenanbindung Schenefelds perspektivisch vorgezeichnet. Vor diesem Hintergrund ist Staatssekretärin Henckel auf Landrätin Elfi Heesch (Kreis Pinneberg) und Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (Stadt Schenefeld) mit dem Vorschlag zugekommen, sich zur ebenfalls nach Schenefeld verlängerbaren U5-Planung auszutauschen; daran nahmen auch Hamburg, die Hochbahn sowie die U5 GmbH teil.

Völlig überraschend stimmt der Verkehrsausschuss des Kreistages der Vorlage einstimmig zu. Bemerkenswert ist, dass Staatssekretärin, Frau Susanne Henckel, die Landrätin des Kreises Pinneberg, Frau Elfi Heesch und die Bürgermeisterin der Stadt Schenefeld, Frau Christiane Küchenhof, trotz notorischer Klammheit ihrer Haushalte die sofortige Bereitschaft signalisieren, die 535.000 Euro kostende Machbarkeitsuntersuchung zu finanzieren.

Wenn man in der Beschlussvorlage dann noch weiter liest: „Hierbei spielt auch eine Rolle, dass eine S-Bahn in die gesetzliche Aufgabenträgerschaft des Landes gefallen wäre, während die Zuständigkeit für eine U-Bahn in die gesetzliche Aufgabenträgerschaft des Kreises fällt.“ Eine schräge Argumentation: müsste es nicht vielmehr heißen, dass die DB mit ihrer Netz- und Planungstochter DB-Infrago als träger und problembeladener Kollos nichts mehr auf die Reihe bekommt? Dass ein bislang U-Bahn-loser Landkreis Pinneberg als Aufgabenträger für einen Schnellbahnbau schneller und besser planen und agieren kann, ist schwer zu glauben: die kommunalen Gliederungen unser Einheitsgemeinde Hamburg, namentlich die sieben Bezirke, könnten das nicht leisten.

So hoffen wir, dass unser Hamburger Verkehrssenator, Herr Anjes Tjarks, der den überraschenden Schwenk von der durch die DB nach Eisenbahnrecht geplanten S-Bahn S6/S32 zu einer durch die HHA nach Straßenbahn-Planungsrecht (PBefG, BOStrab) U-Bahn U5 vermutlich durch persönliche Erfahrungen gemacht hat, dem Landkreis Pinneberg fair und auf Augenhöhe bei der Verlängerung nach Schenefeld weiterhelfen wird. Unser Verkehrsminister Schleswig-Holsteins, Herr Claus Ruhe Madsen, ausgewiesener Kenner des unterirdischen DB-Gebarens in seinem Bundesland sollte dieses bei Fairness und gegebener Augenhöhe nach besten Kräften unterstützen..

Bei Starten:BahnWest! hoffen wir, dass die von der Politik in Schleswig-Holstein und Hamburg gezeigte Dynamik für die U5 nach Lurup, Osdorfer Born und Schenefeld Bestand und Durchhaltewillen zeigen wird. Bitte, liebe politisch Verantwortlichen, schlagen Sie feste Pflöcke ein, die Ihre Entscheidungen bei potenziellen Regierungswechseln, egal ob sie im Land, Kreis oder Kommune erfolgen, unumkehrbar machen. Wir und die im Westen lebenden und auf die Schienenverbindung seit Jahrzehnten wartenden Menschen danken es Ihnen!